Tischlerwerkstätten
Kornacki
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BK76-Ratgeber · Farbe und Oberfläche

Möbelfarben: NCS- und RAL-Fächer, Matt und Glanz. Wie wählt man die Oberfläche bewusst aus?

Möbelfarben auszuwählen bedeutet weit mehr, als Weiß, Grau oder Beige zu bestimmen. Derselbe Farbton kann auf einer matten Front, einer glänzend lackierten Fläche und einer Wand unterschiedlich wirken. Auch Beleuchtung und benachbartes Holz, Arbeitsplatte und Boden verändern seine Wirkung.

Erstellt von: BK76 — Tischlerwerkstätten Kornacki · Veröffentlichung

Farbfächer sowie mattes und glänzendes Frontenmuster
Anschauliche Illustration, kein Foto eines BK76-Projekts. Sie ersetzt keinen physischen Farbfächer.

Wie wählt man also die Farbe von Maßmöbeln, damit das Ergebnis den Erwartungen entspricht? Grundlagen der Farbenlehre, NCS- und RAL-Fächer sowie eine bewusste Festlegung des Glanzgrads helfen dabei.

Grundlagen der Farbenlehre — was wählen wir eigentlich aus?

Im Alltag verwenden wir Bezeichnungen wie „warmes Weiß“, „Oliv“ oder „Graphit“. Sie sind hilfreich, beschreiben die Oberfläche aber nicht eindeutig. Drei grundlegende Farbeigenschaften sollten unterschieden werden:

  • Farbton — bestimmt, ob eine Farbe zur Familie der Grün-, Rot-, Blau- oder anderer Farbtöne gehört.
  • Helligkeit — beschreibt, wie hell oder dunkel eine Farbe erscheint.
  • Sättigung — unterscheidet einen intensiven von einem gedeckten, gräulichen Farbton.

Zwei grüne Küchen können einen völlig unterschiedlichen Charakter haben. Ein helles, gedämpftes Grün schafft einen ruhigen Hintergrund, während ein dunkles, kräftiges Grün zum prägenden Element des Raums wird.

Warme und kühle Farben

Beige-, Rot- und viele Gelbtöne werden meist als warm empfunden. Blau- und manche Grautöne wirken kühl. Diese Einteilung ist jedoch nicht starr: Auch Weiß, Grau oder Grün können wärmer oder kühler wirken.

Deshalb sollte eine Front nicht losgelöst von den übrigen Materialien ausgewählt werden. Kühles Weiß kann neben einer warmen cremefarbenen Wand anders wirken als erwartet. Eine graue Front kann in Kombination mit Holz einen zuvor kaum sichtbaren Grün- oder Violettstich zeigen.

Wie kombiniert man Farben bei Möbeln und im Innenraum?

Ein guter Ausgangspunkt ist die Auswahl einer dominierenden Farbe und einer begrenzten Anzahl ergänzender Farbtöne.

Ruhige Kombinationen lassen sich mit unterschiedlichen Helligkeiten eines ähnlichen Farbtons schaffen: helle Fronten, eine etwas dunklere Wand und eine markantere Arbeitsplatte. Größere Kontraste entstehen durch helle und dunkle Flächen oder Farben unterschiedlichen Charakters.

Nicht jedes Element muss die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Hat die Arbeitsplatte eine intensive Maserung, können schlichte einfarbige Fronten sie gut ausgleichen. Eine ruhige Arbeitsplatte lässt mehr Raum für Farbe, Fräsungen oder Frontenstruktur.

NCS — eine Sprache zur Farbbeschreibung

NCS, das Natural Colour System, beschreibt Farben anhand ihrer wahrgenommenen Ähnlichkeit mit den Elementarfarben Weiß, Schwarz, Gelb, Rot, Blau und Grün.

In der Bezeichnung NCS S 2050-Y90R:

  • 20 bezeichnet den wahrgenommenen Schwarzanteil;
  • 50 bezeichnet die Buntheit, also den Anteil des wahrgenommenen farbigen Charakters;
  • Y90R beschreibt einen Farbton zwischen Gelb und Rot, deutlich näher an Rot.

Der übrige Anteil der Nuancenbeschreibung entspricht der wahrgenommenen Ähnlichkeit mit Weiß. Dies sind jedoch keine Pigmentanteile und keine Anleitung zum Anmischen von Lack.

NCS hilft, Farben zu vergleichen und Kombinationen mit gemeinsamen Eigenschaften zu bilden. Das ist bei der Abstimmung von Fronten auf Wände, Stoffe und andere Einrichtungselemente hilfreich.

RAL — ein grundlegender Farbfächer für die Ausführungspraxis

RAL wird häufig zur Festlegung von Lack- und Beschichtungsfarben verwendet. In der verbreiteten Kollektion RAL CLASSIC besitzen die Farbtöne vierstellige Kennzeichnungen.

Beachten Sie, dass RAL nicht nur eine Kollektion bezeichnet. Es gibt außerdem RAL DESIGN SYSTEM plus, dessen siebenstellige Kennzeichnung sich auf Farbton, Helligkeit und Buntheit bezieht. Die Codes dürfen nicht wie RAL-CLASSIC-Codes gelesen werden.

Die RAL-Nummer erleichtert die Abstimmung zwischen Kunde, Planer und ausführendem Betrieb. Sie ersetzt jedoch nicht die Festlegung der Oberflächenart und des Finishs.

Sind NCS und RAL austauschbar?

Es sollte nicht angenommen werden, dass jeder NCS-Farbton eine identische RAL-Entsprechung besitzt. Ein ermittelter „ähnlichster Farbton“ kann lediglich eine Annäherung sein.

Wenn Fronten mit einer Wand oder einem Metallelement kombiniert werden, sollten physische Muster verglichen werden. Ähnliche Namen oder eine ähnliche Bildschirmdarstellung garantieren keine Übereinstimmung.

Glanzgrad — die zweite wichtige Entscheidung nach der Farbe

Der Glanzgrad beschreibt, wie eine Oberfläche Licht reflektiert. Er ist eine eigenständige Oberflächeneigenschaft, die der Farbcode allein nicht angibt.

Im Möbelbau begegnen uns Tiefmatt, Matt, Satin, Seidenglanz und Hochglanz. Diese Bezeichnungen stehen bei unterschiedlichen Herstellern nicht immer für denselben Effekt.

Glanz wird mit einem Glanzmessgerät gemessen; das Ergebnis wird angegeben in GU. Dabei handelt es sich nicht einfach um den Prozentsatz des reflektierten Lichts. Das Ergebnis ist zusammen mit dem Messwinkel zu betrachten: Verwendet werden unter anderem 20°, 60° und 85°, je nach Oberflächencharakter.

Deshalb ist „20 GU bei 60°“ präziser als lediglich „seidenmatt“. In der Praxis bleibt das freigegebene Muster entscheidend, mit dem die fertigen Fronten verglichen werden können.

Glanzgradskala — was bedeuten Werte wie 5, 20 oder 90?

In Lackbeschreibungen finden sich Angaben wie „gloss 5“, „gloss 20“ oder „gloss 90“. Sie beziehen sich meist auf den nominellen Glanzgrad; die Kennzeichnung ist jedoch in der Produktdokumentation zu prüfen. Eine Zahl allein, ohne Einheit und Messwinkel, ist keine vollständige Spezifikation.

Gloss Units (GU) sind Glanzeinheiten, keine Prozentwerte. 20 GU bedeuten also nicht, dass eine Oberfläche 20 % des Lichts reflektiert. Die Messung bezieht sich auf einen Referenzstandard und eine festgelegte Geometrie. Die Skala endet nicht zwingend bei 100 GU — manche Oberflächen können höhere Werte erreichen.

Bei der allgemeinen Beurteilung von Beschichtungen ist eine Messung unter 60° der Ausgangspunkt. Darauf aufbauend wählt man die Geometrie für einen genaueren Vergleich:

Messwert bei 60° und Auswahl der Messgeometrie
Messergebnis bei 60°GlanzcharakterGeometrie für Vergleiche
Unter 10 GUGeringer Glanz85° — zur genaueren Unterscheidung matter Oberflächen
10–70 GUMittlerer Bereich60°
Über 70 GUHoher Glanz20° — zur genaueren Unterscheidung glänzender Oberflächen

Das ist eine Regel zur Auswahl der Messgeometrie, keine allgemeingültige Einteilung von Handelsbezeichnungen in Matt, Satin und Seidenglanz. Ihre Grenzen können unterschiedlich ausfallen. Werte aus verschiedenen Messwinkeln dürfen nicht wie identische Messungen miteinander verglichen werden.

Eine Front mit 5 GU bei 60° besitzt beispielsweise einen deutlich geringeren Glanz als eine Front mit 90 GU bei 60°. Ein höherer Wert ist jedoch nicht automatisch besser. Wir stimmen den Glanz auf Raum und Nutzung ab. Die verlässlichste Vereinbarung umfasst Farbcode, GU-Wert samt Messwinkel, vereinbarte Toleranz und freigegebenes Muster.

Matte oder glänzende Fronten?

Matte Fronten wirken ruhiger und spiegeln die Umgebung weniger deutlich. Sie passen gut zu Holz, Stein und Innenräumen mit natürlichen Materialien. Matt bedeutet jedoch nicht automatisch unempfindlich gegen Fingerabdrücke — das hängt von der jeweiligen Oberfläche ab.

Glänzende Fronten erzeugen deutlichere Lichtreflexe und Spiegelungen. Sie können Einbauten strahlender wirken lassen, machen aber auch die Umgebung, Schlieren und manche Unebenheiten sichtbarer.

Satin und Seidenmatt können einen Mittelweg darstellen: Sie bewahren eine dezente Lichtreflexion ohne ausgeprägten Spiegeleffekt.

Kein Glanzgrad ist für alle am besten. Die Auswahl sollte Raumwirkung, Nutzung und Erwartungen an die Pflege berücksichtigen.

Warum reicht die Bildschirmfarbe nicht aus?

Fotos und Visualisierungen helfen bei der Richtungswahl, sind aber keine verbindlichen Farbmuster. Bildschirm, Kamera, Bildbearbeitung und Beleuchtung beeinflussen ihre Darstellung.

Betrachten Sie das Muster am späteren Möbelstandort: bei Tageslicht und der geplanten künstlichen Beleuchtung. Stellen Sie es möglichst auch senkrecht auf, so wie die Front später steht.

Zwei Oberflächen können bei einer Beleuchtung ähnlich aussehen und bei einer anderen unterschiedlich. Dieses Phänomen heißt Metamerie. Es ist ein weiterer Grund, Materialien gemeinsam statt einzeln zu vergleichen.

Wie legt man die Frontenfarbe vor der Möbelfertigung fest?

Eine gute Abstimmung umfasst mehr als eine Nummer aus dem Farbfächer:

  1. Farbsystem und vollständige Farbbezeichnung — NCS oder die entsprechende RAL-Kollektion.
  2. Material und Oberflächenart — beispielsweise lackiertes MDF.
  3. Glanzgrad und gegebenenfalls Oberflächenstruktur.
  4. Ein vor Produktionsbeginn freigegebenes physisches Muster.

Bei Holz und Furnier sind zusätzlich natürliche Unterschiede in Maserung und Farbe zu berücksichtigen. Klarlack oder Öl wirken anders als eine deckende Beschichtung auf einem gleichmäßigen Untergrund.

Farben für Maßmöbel bei BK76

Bei der Wahl von Möbelfarben sollte der gesamte Innenraum betrachtet werden: Fronten, Arbeitsplatte, Wände, Boden und Licht. NCS- und RAL-Fächer strukturieren das Gespräch, doch erst der Vergleich echter Materialien erlaubt eine fundierte Beurteilung.

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